Ansprache zum Solothurner Literaturpreis 2013
(12.5.2013)

Täuschst du dich
oder zittert manchmal
die Hand ein bisschen
wenn du den Suppenlöffel hältst?

Bist du das wirklich
von dem das Strassenverkehrsamt
ein ärztliches Zeugnis verlangt
du seiest noch fähig
ein Auto zu lenken?

Kann das sein
dass die
Kirchgemeinde dich einlädt
zur Seniorenweihnacht
mit schöner Klaviermusik
und gemütlichem Zvieri?

Und der Tanzanlass
für ältere Paare
dienstags von 15 bis 16.30 Uhr
ist der für dich?

Ist nicht
ein Ausdruck von Mitleid
im Blick des jungen Verkäufers
der dir erklärt
dein Mobiltelefon
sei nicht mehr zu reparieren?

Müsstest du sparsamer werden
mit dem Gebrauch eines Wortes wie
„früher“?

Warum fällt es dir
immer noch schwer
deine Handy-Nummer zu lernen
(Die Nummer des Elternhauses
weisst du noch jetzt)?

Wie war schon wieder
der Titel des Films
in dem ein Planet
die Erde bedroht?
Und die Schauspielerin
die den Jungen beschützte
wie hiess sie doch gleich?

Hast du genügend Sätze
für ein Gespräch
mit jemandem
dessen Namen
dir nicht in den Sinn kommen will?

Merkst du das Lauernde
beim Zusammensein mit alten Bekannten
sobald die Rede
auf die Gesundheit kommt
auf Knie, Hüften, Gelenke
und ihre Ersetzbarkeit?

Was haben die Medikamente
auf deinem Frühstückstisch
verloren?

Warum feiern so wenig Freunde
den vierzigsten
und immer mehr
ihren sechzigsten, siebzigsten, achzigsten?

Und wieso
will der dunkle Anzug
im Kleiderschrank
nicht mehr nach hinten rücken?

Morgens vor sechs
schon wach zu sein
dafür einzunicken
bei Büchner, Brecht
oder Shakespeare
ist das normal?

Ist es möglich
dass die Tage
etwas geschrumpft sind
in letzter Zeit?

Wird die Sparlampe
die du im WC einschraubst
Brenndauer 10’000 Stunden
länger halten als du?

Und all die Petitionen
und Initiativen
Für eine sichere
Keine, Nein zu, Stop dem, Schluss mit
und Ausstieg aus -
was gehen dich Zeiten an
die du kaum mehr erleben wirst?

Warum aber
trifft dich der Blick deiner
frisch geborenen Enkelin
mitten ins Herz
und lädt dich auf
mit Zuversicht
Zukunft
und Lebenssucht?

 

Grüezi mitnand,

dieses Gedicht habe ich zu meinem 70. Geburtstag geschrieben. Dass zum Schönen am Älterwerden auch der Solothurner Literaturpreis gehört, erfuhr ich erst etwas später, als ich während einer Lesereise, nach einem geheimnisvollen SMS meiner Frau, Hansueli Probst aus dem Lärm des Mannheimer Hauptbahnhofs anrief und er mir den Entscheid der Jury mitteilte - ich danke der Jury und freue mich über diesen Entscheid, ich danke Hansueli Probst für seine Laudatio, und ich danke Ihnen allen, dass Sie gekommen sind, obwohl Sie nach dem dreitägigen literarischen Marathon einen gewissen Sättigungsgrad erreicht haben dürften.
Ich wolle einmal Dichter und Zeichner werden, soll ich als Kind auf die berühmte Erwachsenenfrage geantwortet haben.
Ein kleiner Tatbeweis war meine allererste Geschichte, die ich als 8-Jähriger meinen Eltern zu Weihnachten schenkte.
Eine Zeichnung zeigte einen Mann auf einem Pferd, darunter stand der Vers:
Auf seinem Pferd Herr Fadian
sich sieht die schöne Landschaft an.
Das zweite Bild dann war ein Zoom auf den Hintern des Pferdes, in welchen eine Wespe stach. Daraufhin brannte das Pferd durch, Ross und Reiter stürzten in eine Schlucht, aus deren Grund ein spitzer Fels ragte, dem Pferd war der Hals aufgerissen, Herrn Fadians Schädel war in kleine Teile zertrümmert (er trug keinen Helm, der unselige), Ströme von Blut flossen, gekrönt vom Vers:
Und die Moral von der Geschicht,
lass dich von Wespen stechen nicht.

Als Vorbild dieses Werks lässt sich unschwer Wilhelm Busch erkennen, dessen häufig etwas sadistische Vers- und Bild-Geschichten mich sehr faszinierten.
Ebenso klar erkennbar: Der Dünger für Geschichten ist nicht der gewohnte Gang der Dinge, sondern der ungewohnte, nicht das Glück, sondern das Unglück.
Seit ich lesen konnte, wollte ich auch schreiben, und seit ich Geschichten las, wollte ich auch Geschichten schreiben. Den Zeichner habe ich schon bald aus meinem Berufsbild gestrichen, aber den Dichter habe ich durch meine ganze Schulzeit und die kurze Studienzeit mitgenommen. Als Gymnasiast schrieb ich kleine Glossen und Kurzgeschichten und schickte sie dem „Oltner Tagblatt“, welches sie zu meiner Freude abdruckte. Erst später wurde mir klar, wie wichtig für mich dieses Echo damals war, denn es enthielt die Botschaft: „Wir können deine Geschichten brauchen.“
Ich schrieb also im Lauf der Jahre Geschichten, in denen Ungewöhnliches passierte, Geschichten, die der Grundfrage der Phantasie nachgingen: „Was wäre, wenn?“. Da tauchte auf einer Hochzeitsfoto ein Mann auf, den niemand kannte und an den sich niemand der Gäste erinnerte, da sass auf einer Fernsehantenne in Zürich eines Tages ein Adler, siedelte sich in der Stadt an und zog nach und nach weitere Wildtiere nach sich, bis die ganze Stadt in der Gewalt der Bären, Wölfe, Schlangen und Farne war, da bestieg eine Frauenärztin einen Schimmel, der auf einmal statt ihres Autos in der Parkgarage stand und sie in rasendem Galopp ins Mittelalter trug, wo sie einer jungen Burgfrau bei der Geburt ihres ersten Kindes beistehen musste. Oder da steht auf einmal einer am Strassenrand, den man dort nicht vermuten würde.

Der Autostopper

Der Teufel machte einmal ausserhalb von Bellinzona Autostop, aber niemand wollte einen Typ mit Hörnern und einem Dreizack mitnehmen.
Endlich, es ging schon gegen Abend, hielt ein Amerikanerwagen an, und der Fahrer, ein jüngerer Mann mit langen Haaren und sanften Augen, hiess den Teufel einsteigen.
Dieser setzte sich neben den Fahrer und gab als Reiseziel Rom an.
Dorthin fahre er auch, sagte der sanfte Langhaarige und lächelte dem Autostopper zu.
Dieser schaute den Fahrer immer wieder an und fragte ihn schliesslich: „Kennen wir uns nicht von irgendwoher?“
„Ich glaube, wir haben uns zuletzt in der Wüste gesehen“, sagte der und hob freundlich seine durchlöcherte Hand.
„Und was willst du in Rom?“ fragte der Teufel.
„Den Papst erschrecken“, sagte der Fahrer, „der glaubt doch schon lang nicht mehr an mich.“
„Darf ich mitkommen?“ fragte der Teufel.
„Aber gern“, sagte der Fahrer, „zusammen sind wir stärker.“
Beide lachten, und Jesus gab Gas.

Aber Geschichten spielen sich ja nicht nur im Ungewöhnlichen, Phantastischen ab, sondern ebenso sehr im Gewöhnlichen, Alltäglichen; unser Alltag ist eine einzige Geschichtensammlung, und oft geht es nur darum, bei etwas, das man erlebt hat, zu merken, dass das eine Geschichte war, und so begann ich aufzuschreiben, was ich sah, wenn ich zum Fenster hinausschaute, wenn ich in die Stadt ging, wenn ich im Zug sass, oder was mir auf Wanderungen und Spaziergängen begegnete, ich schrieb also auch Geschichten, die der Grundfrage des Erzählers nachgehen: „Was war?“

Die Verkündung

Letzthin im Zug, direkt neben dir, das elend-fröhliche Digitalpiepsen eines Handys, und du weisst, jetzt wirst du die Seite nicht in Ruhe zu Ende lesen können, du wirst mithören müssen, wo die Unterlagen im Büro gesucht werden sollten oder warum die Sitzung auf nächste Woche verschoben ist oder in welchem Restaurant man sich um 19 Uhr trifft, kurz, du bist auf die unüberhörbaren Schrecknisse des Alltags gefasst - und da zieht der junge Mann sein Apparätchen aus der Tasche, meldet sich und sagt dann laut: „Jä nei - Wänn? - Geschter znacht? - Und was isch es? - E Bueb? - So härzig! - 3 ½ Kilo? - Und wie gohts der Jeannette? - So schön! - Seisch ere ne Gruess, gäll! - Wie? - Oliver?...“
Und über uns alle, die wir in der Nähe sitzen und durch das Gespräch abgelenkt und gestört werden, huscht ein Schimmer von Rührung, denn soeben haben wir die uralte Botschaft vernommen, dass uns ein Kind geboren wurde.

Zu diesen Geschichten gesellten sich Märchen, Fabeln und Erzählungen, die ich für Kinder - und für das Kind im Erwachsenen - schrieb, von einem Buben, der so stark träumte, dass am Morgen etwas von seinem Traum übrig blieb, von einem Granitblock, der ins Kino ging, von einer Made, die den Weg nach Hongkong schaffte und dort reich wurde, von einem Zauberschächtelchen, das nur ein einziges Zauberkunststück konnte, ich schrieb und schrieb in der steten Hoffnung, dass man meine Geschichten brauchen könne, denn das möchten wir alle, dass man unsere Arbeit brauchen kann, oder dass mindestens irgendjemand irgendetwas davon brauchen kann. Was es ist, lässt sich allerdings schwer voraussagen.
Dazu eine kleine Geschichte, die ich an den Literaturtagen in Todtnauberg erlebt und aufgeschrieben habe. Die Dichterin, die darin vorkommt, ist übrigens die letztjährige Preisträgerin Annette Pehnt.

Ein Feuer im Garten

Im Halbkreis sitzen und liegen die Kinder auf Kissen um die Dichterin herum, und sie erzählt ihnen eine Geschichte, in der bald nach dem Anfang ein Kind nachts voller Angst ans Fenster rennt, weil es glaubt, es sei ein Feuer im Garten.
An dieser Stelle ruft ein Dreijähriger im Publikum laut: „Ein Feuer im Garten!“, steht begeistert auf und läuft weg, weg von der Erzählerin und den andern Kindern. Die Fortsetzung, welche erst die eigentliche Geschichte ist, die Fortsetzung braucht er nicht, denn man hat ihm soeben etwas Wichtiges mitgeteilt, etwas, das er sich vorstellen kann, etwas, das nun seinen ganzen Kopf und sein ganzes Herz, wahrscheinlich auch seine Beine und Arme ausfüllt, eine grosse, eine mächtige, eine wärmende Geschichte: ein Feuer im Garten.

Woran erinnern wir uns denn, von all den Büchern, die wir gelesen haben? Könnten wir den „Faust“ nacherzählen, oder bliebe es bei der Szene im Studierzimmer? Von Puschkins „Hauptmannstochter“ sind uns vielleicht die heulenden Wölfe und der grosse Schnee geblieben, aber worum ging es sonst? Oder haben die Wölfe bei Leskow geheult, und der Schnee fiel bei Gogol? Und haben sich die „promessi sposi“ am Schluss eigentlich bekommen oder nicht? Manzonis Schilderung der Pest in Mailand aber werde ich auf keinen Fall vergessen.
Eine Mutter erzählte mir von ihrem behinderten Sohn, er könne eine Zeile aus meiner Ballade „Der Weltuntergang“ auswendig. Es ist die einzige Zeile, die ich beim Vortragen singe, und sie lautet „Und die Meere stiegen“.
Es freut mich immer, wenn ich eine Anfrage bekomme, die mit „Es gibt doch von Ihnen eine Geschichte..“ beginnt, oder „Sie haben vor Jahren einmal etwas geschrieben über..“. Und das Stichwort, das dann kommt, das ist das Feuer im Garten, das noch weiter brennt. Ich kann fast immer Auskunft geben, manchmal erst nach längerem Nachdenken, und besonders gern gebe ich Auskunft, wenn der gesuchte Text gar nicht von mir ist, sondern z.B. von Peter Bichsel oder von Lorenz Keiser.
Ich habe dann das Gefühl, wir seien eine Familie, die Familie der Dichter und Geschichtenerzähler, und wir bilden zusammen mit unseren Zuhörerinnen und Zuhörern eine Grossfamilie, die Grossfamilie derer, die an einer Wiedergabe der Welt in anderen Formen interessiert sind, die Grossfamilie derer, die sich die Welt, in der wir leben, auch anders vorstellen können, und die das Haus, in dem sie wohnen, auf eine andere Art sehen und erleben möchten, die es vielleicht erst richtig sehen, wenn es von einem Feuer im Garten beleuchtet wird.
Diese Grossfamilie, scheint mir, sei hier und jetzt versammelt, und ich möchte mich bei ihr bedanken, und wenn ich sie so lange begleiten durfte, heisst das nichts anderes, als dass auch sie mich begleitet hat, denn ohne ihr Echo wäre ich vielleicht irgendeinmal verstummt.
Ich habe Sie mit einem Gedicht begrüsst, und ich möchte mich mit einem Gedicht verabschieden. Dieses Gedicht ist so seltsam, dass ich bis jetzt nicht gewagt habe, es zu veröffentlichen, aber da ich soeben einen Literaturpreis bekam, bleibt Ihnen und mir nichts anderes übrig als zu glauben, dass es Literatur ist.


Weiss noch jemand

Weiss noch jemand
wo das Denkmal stand

für die Prinzessin
aus dem Morgenland

die mit dem Sternenmantel
durch die Wälder ritt

bevor der grosse Krieg
darüber schritt?

 

Weiss noch jemand
wo der Garten war

mit den Sommergästen
und der Kinderschar

auf den der Mond
in verzauberten Nächten schien

und den die Eule besuchte
und der Hermelin?

 

Weiss noch jemand
wo der Geiger blieb

der uns zu ausgelassenen
Tänzen trieb

mit seinen kühnen Läufen
und der schmelzenden Terz?

Er weckte die Sehnsucht
und brach uns das Herz.

 

Weiss noch jemand
wo der Grabstein ist

auf dem der Todesengel
den König küsst

und ihn so fest
in seinen Armen hält

dass ihm die Krone
vor die Füsse fällt?

 

Weiss noch jemand
wo der Wildbach floss

im Bergwald mit dem
Raubritterschloss

aus dessen Wasser
die weisse Schlange trank

bevor sie im eisigen
Stausee versank?

 

Weiss noch jemand
wie die Inschrift hiess

die man fand
im dunklen Kellerverlies

in dem der Zar so schmählich
zu Tode kam

und man der ganzen Familie
das Leben nahm?

 

Weiss noch jemand
wie das Volkslied geht

in dem das Mädchen am Morgen
am Fenster steht

und die Fahne in der Ferne
flattern sieht

hinter der sein Liebster
zum Kampfe zieht?

 

Prinzessin und Geiger
König und Zar

Schloss und Schlange
und Kinderschar

die Gärten – was ist nur
mit ihnen geschehn

und dem Burschen und dem Mädchen
die sich nie wieder sehn?

 

 

Laudatio von Hans Ulrich Probst, Vorsitzender der Fachjury

Lieber Franz Hohler, meine Damen und Herren,
Ich freue mich riesig, dass Sie alle da sind, um mit uns einen Preisträger zu feiern, den ich gewiss nicht vorzustellen brauche, weil er, vor kurzem 70 geworden, in den vergangenen Jahrzehnten in unserem Kulturleben derart nachhaltige Spuren hinterlassen hat, dass wohl alle hier Anwesenden eine persönliche Geschichte mit ihm und seinem Schaffen verbindet, und das oft schon seit Kindheitstagen. Franz Hohler ist helvetisches Kulturgut – keine Frage!
Dieses Monument und sein umfangreiches Werk umfassend zu würdigen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit.
Allein schon sämtliche Titel seiner Geschichten, Lieder, Kabarettnummern, Radio- und Fernsehbeiträge hier aufzuzählen, würde meine Redezeit ausfüllen. Denn: 21 Bücher für Erwachsene, 11 für Kinder sind derzeit greifbar, dazu kommen über 20 vergriffene Titel, zu schweigen von den Tonträgern, Hörbüchern, von Kabarett, Radio und Fernsehen.
Franz Hohlers Oeuvre als frecher Kabarettist, als grandioser Performer in Mundart und seinem zum Markenzeichen gewordenen Oltner Hochdeutsch, als Pionier für kluges Kinderfernsehen und träfe Radiosatire ist schon vielfach gewürdigt worden.
Heute steht der AUTOR Franz Hohler im Zentrum, und zwar nicht in kanonischer Exegese, sondern vorab im Original-Klang.
Wir zeichnen einen Erzähler aus, der in seinen Texten die utopischen Potentiale des Alltags auslotet und Wirklichkeit und Phantasie virtuos vermischt; wir zeichnen einen Geschichten-finder und -erfinder aus, der dem Gewöhnlichen originelle Plots und lakonische Pointen abringt, der das Komplexe meisterlich im Einfachen verpackt; wir zeichnen einen Dichter aus, der mit anarchischer Sprachlust und mit subtiler Poesie das Beiläufige, das Unscheinbare gestaltet.
Franz Hohler selbst, der sich als „literarischen Allgemeinpraktiker“ sieht, betont:
„Der Autor stand für mich immer am Anfang meiner Arbeit.“ Tatsächlich ist Hohler zuvorderst ein Spracharbeiter.
Er bearbeitet seine Materie so listig-eigenwillig wie treffsicher und stellt, in welchem Medium, immer auch immer, stets  eines her: packende Geschichten.
Denn Geschichten, das sagt unser Preisträger, gehören “zu unseren Grundbedürfnissen wie Essen und Trinken“.
Getragen von dieser Überzeugung hat Franz Hohler ein singuläres erzählerisches Universum geschaffen: Er weiss, wie wenige andere sonst, aus dem scheinbar Gewöhnlichen, Normalen literarische Funken zu schlagen, er entführt uns mit wenigen Worten aus dem Alltagstrott in kühn erdachte Gegen- und Traumwelten. Das Leben schlechthin in allen seinen schönen und schmerzlichen, absurden und phantastischen Ausformungen bildet den Stoff für Hohlers Schreiben. Das Leben, von dem er einmal in einem Gedicht schreibt:

S Läbe
Mängisch dunkts eim scho / dass s Läbe nüt anders sig / als es Gwitter / und mir / mir seckle derdur / und der eint breicht der Blitz / und der ander nit / und nienen e Hütte / wyt und breit.

In solch melancholisch-humorvollem Innehalten erkennen wir uns ebenso fraglos selbst wie im Stossseufzer, den Franz Hohler inhaltlich prophetisch, formal doppelsinnig und verspielt vor bald vierzig Jahren formuliert:

In vollen Zügen
In vollen Zügen kann ich nie etwas geniessen. Ich sitze dann eingepresst zwischen den auch eingepressten Nachbarn und leide weniger darunter, dass ich mich nicht rühren kann, als dass ich mich nicht rühren könnte, wenn ich mich rühren wollte.

Diese Sensibilität für den Augenblick zeichnet Hohlers Geschichten aus, wobei seine Meisterschaft ebenso im Raffen und Komprimieren besteht, wie darin, auf der Sinnebene überraschende Haken zu schlagen –  hier ein Beispiel zu einem ebenfalls vielbenutzten Fortbewegungsmittel:

Das Ziel
„Zur Uni, bitte.“
„Unispital?“, fragte der Taxifahrer.
„Nein“, sagte ich aufatmend, „nur Uni.“

15 Wörter oder 100 Zeichen genügen, um Schreck und Erleichterung zu vergegenwärtigen, ein schlankes Memento mori!
Und noch kürzer heisst es in Hohlers inzwischen auf einer Briefmarke verewigten Kürzestgeschichte:

Der grosse Zwerg
Es war einmal ein Zwerg, der war 1,89 m gross.

Neun Wörter sind es hier nur, ein Satz, hinter dem ganze Geschichtenwelten stecken.
Neben solchen Exerzitien in lapidarer Lakonie und Freude am Paradox liebt Franz Hohler aber auch das Drauflosfabulieren und -reimen – jüngstes Beispiel ist der 2011 erschienene Band mit launigen Kinderversen „Es war einmal ein Igel“; Kindergedichte, die alle mit der Formulierung „Es war einmal beginnen“, der grossartigsten aller Einladungen zum Geschichten-Erzählen – ein Beispiel:

„Es war einmal ein Dachs, / Der ass am liebsten Lachs / Doch gab es das fast nie. /
Da sprach er: „Irgendwie / Ist’s ohne Lachs fast schöner. / Jetzt ass er nur noch Döner.“

Soweit, gleichsam als Ouvertüre, ein Strauss von Originalzitaten:
Am Werk unseres Preisträgers fällt sofort auf: Er hat fast von Anfang an mit gleicher Sorgfalt und Intensität für jung und alt geschrieben.
Ein Blick auf den Werdegang des ungemein vielseitigen und multimedialen Wortarbeiters Franz Hohler zeigt, dass er tatsächlich von Kindsbeinen an ein Erzähler war. Schon siebenjährig schrieb er für seine (Lehrer-)Eltern kurze Geschichten, als Gymnasiast veröffentlichte er Feuilletons, Glossen, Rezensionen im “Oltner Tagblatt“. Nach dem Erfolg eines ersten Soloprogramms 1965 wählt Hohler das Geschichtenerzählen als Beruf – oder mit seinen Worten:
„Seitdem habe ich versucht, von der Phantasie zu leben. Wenn man mit der Phantasie arbeitet, entwirft man Gegenwelten oder einfach andere Welten.“
Diese  Lust am Fabulieren und Erfinden von Parallelwelten hat unseren Preisträger freilich nie daran gehindert, diese unsere Welt  sehr genau anzuschauen und sich als couragierter Citoyen einzumischen, sich aufzulehnen gegen gesellschaftliche Missstände und Naturzerstörung. Hohler ist einer, der scharfzüngig Klartext reden kann, wenn er merkt, dass er vor lauter scheinheiliger Freundlichkeit zu ersticken droht:
„S si alli so nätt“, dass es „zum wahnsinnig wärde“ ist.
Für seine Fadengradheit hat Franz Hohler vor dreissig Jahren noch Prügel bekommen. Was heute entsetzlich kleinmütig wirkt, war in den Zeiten des Kalten Krieges in der Schweizer Kulturlandschaft kein Einzelfall: Der Zürcher Regierungsrat verweigerte 1982 Franz Hohler einen von der zuständigen Fachjury beantragten Preis für den Erzählband „Die Rückeroberung“ (die Literaturkommission trat daraufhin geschlossen zurück) und ein Jahr später traute sich das Schweizer Fernsehen nicht, Hohlers Lied „Dr Dienschtverweigerer“ – eine Mundartfassung von Boris Vians Klassiker „Le Déserteur“ – in der Sendung „Denkpause“ auszustrahlen, worauf Hohler die Zusammenarbeit mit SF einstellte.
Hohler ein Nestbeschmutzer, ein Subversiver? “Ich war nie ein Revolutionär“ heisst es im Gedichtband „Vierzig vorbei“ und weiter: „Ich war eher ein Spötter und Stauner / ich habe mich immer gewundert / über die Welt / und die Normalität / als welche der Wahnsinn daherkommt.“
Seine Besorgnis und Angst, diese Empörung und Ohnmacht angesichts der Welt, wie sie ist, liegen in seiner grossen Zuneigung zu ihr begründet und immer wieder im Staunen ob ihrer Schönheit, zum Beispiel über gerade dieses Massliebchen am Wegesrand, in seiner Rührung ob Begegnungen:
„Ich habe Freude am Leben / ich freu mich / am Gehen / am Atmen / am Essen und Trinken / am Lieben.“, heisst es in „Vierzig vorbei“.
Stellvertretend für Franz Hohlers erzählerische Meisterschaft in Geschichten und Romanen möchte ich jetzt das Augenmerk auf Geschichten-Anfänge und -Enden richten. Hier merkt man auch beim Buchautor die Erfahrung des Kabarettisten, des mündlichen Performers.

Die Rückeroberung
„Eines Tages, als ich an meinem Schreibtisch sass und zum Fenster hinausschaute, sah ich, dass sich auf der Fernsehantenne des gegenüberliegenden Hauses ein Adler niedergelassen hatte…“
Viele von uns  wissen, wie es weitergeht, wie Zürich allmählich aus der neuzeitlichen Zivilisation herausfällt, mit Hirschen, Wölfen, Bären sowie schnellwachsenden Riesenpflanzen konfrontiert wird, bis es zum Schluss fast friedlich heisst:
„Wenn ich zum Fenster dieses Arbeitszimmers hinausschaue, sehe ich zwischen den Spitzen der Schachtelhalme hindurch immer noch die Steinadler auf dem Nachbardach abfliegen und ankommen und ihren arg krähenden Jungen irgendein noch halb zuckendes Fleischstück zerkleinern und in die Schnäbel drücken, während das Hotel International wie ein gewaltiger alter Baumstrunk am Horizont steht, gänzlich von Efeu umklammert … das Haus gegenüber ist leer und ich sitze da und denke darüber nach, ob es jetzt noch einen Sinn hat, die Stadt zu verlassen, oder ob das alles nur der Anfang von etwas ist, das sich von hier aus uneindämmbar ausbreiten wird.“

Der Rand von Ostermundigen
„Am Rand von Ostermundigen steht ein Telefon. Daneben sitzt ein Mann, der jedes Mal, wenn es läutet, abnimmt und sagt: ‚Das ist der Rand von Ostermundigen.’ Wenn die Leute fragen, ist dort nicht Rieser oder Maibach, dann sagt er: ‚Nein, das ist der Rand von Ostermundigen!’ und hängt wieder auf.“ Das ist der Anfang der Geschichte, „Der Rand von Ostermundigen.
Ein kurzer Satz macht sich selbstständig und wird zum Albtraum.
„Wohin das noch führen wird, ist schwer abzusehen.“ Lesen wir später und am Ende:
„Dieser Satz muss zum Schweigen gebracht werden. Das ist das Ende der Geschichte ‚Der Rand von Ostermundigen.“
Gerade diese Geschichte mit dem rätselhaft und epidemisch werdenden Titelsatz zeigt die Nähe des jungen Autors auch zur experimentellen Literatur – und man darf gerade in Solothurn daran erinnern, dass dem Verleger Otto F. Walter das Verdienst zukommt, Franz Hohler schon 1970 in den von ihm geleiteten Luchterhand-Verlag geholt zu haben.
Soweit ein Schlaglicht auf die wirkungsvolle Genauigkeit von Hohlers Dramaturgie und Kompositionstechnik: In scheinbar harmlos beginnende Geschichten bricht das Irrationale, Unheimliche, Bedenkliche, aber auch Verwunschene ein wie eine Naturkatastrophe. Und wir Lesenden werden mit hineingezogen in einen Erzählstrudel, der uns am Ende der Geschichten gleichsam ausspuckt, verwundert, irritiert, belustigt, wütend auch manchmal, weil das Erzählte schon zu einem Ende gekommen ist.  Denn Hohler brilliert da, wo er einfach erzählt ohne zu erklären.
Ich möchte Sie weiter einladen, den auf der Bühne oder im mündlichen Vortrag vielleicht seltener spürbaren Poeten und Sprachkünstler Franz Hohler kennenzulernen, zum Beispiel in seinen Berichten von 52 Wanderungen und 52 Spaziergängen,
die er in den Jahren 2003/4 und 2010/11 unternommen hat und an denen wir teilhaben können in Form knapper Erzählungen. Das ist Heimatliteratur vom Feinsten, die mit dem Charme des Gewöhnlichen verführt, uns Vertrautes mit anderen Augen sehen lehrt und stille Epiphanien und  Elevationen erlaubt.
So beginnt das Kapitel „Urwald“ mit dem wunderbaren Satz: „Sich an einen Wald erinnern, ist wie einen Traum aufschreiben.“ Der Erzähler und seine Gefährtin haben sich auf einem von Moos überwachsenen, gefallenen Stamm niedergelassen:
„Dort sassen wir, nahe am Spazierweg, über den gelegentlich Leute gingen oder Biker fuhren, assen, was wir mitgebracht hatten, und waren doch verborgen wie Hänsel und Gretel, und wären wir dort sitzen geblieben und nicht mehr aufgestanden, wären auch wir überwuchert worden wie erstorbene Stämme, und es hätte wohl sehr lange gedauert, bis uns irgendjemand entdeckt hätte, vielleicht wären wir zu Waldgeistern geworden, welche mit dem Ruf der Käuze zu den Rändern des Reiches flögen, von dort in die ferne Stadt am See hinüberschauten, und kichernd wieder zurückflatterten, ins Reich der Bäume, Büsche, Farne und Flechten, mit der Gewissheit, das auch uns darin ein Platz zugedacht wäre.“
Oder wenn der Spaziergänger im Winter auf eine Bündner Alp hoch steigt:
„Es gibt nichts Verlasseneres als Alphütten im Winter… Jetzt hängen die Eiszapfen von den Dachrinnen, Fenster und Türen sind verriegelt, und aus der Böschung vor dem Vorplatz starren verdorrte Blacken wie arme Seelen aus dem Schnee.
In der Höhe aber sonnen sich Berggipfel und breiten ihre weissen Mäntel aus, feine Wölkchen wehen über die Kämme, Gebirgsgedanken.“
Allein schon für diesen letzten Halbsatz „feine Wölkchen wehen über die Kämme, Gebirgsgedanken“ müsste man Franz Hohler einen Preis verleihen – und solche Trouvaillen finden sich allenthalben.
Selbst in der kaum als sonderlich bukolisch bekannten Zürcher Flughafen-Agglo findet unser Preisträger poetisch bestrickende Bilder, als er, der Kompassnadel folgend, nach Norden wandert:
„Hinter dem Wald steuert mich der Kompass zwischen Geflügelfarmen zum Parkplatz bei der Landepiste, deren rot gepunktete Leitlinien zur Heimkehr einladen. Nach Norden blickend, sehe ich, wie sich die Flugzeuge im grauen, langsam dämmernden Himmel eines nach dem andern in die Anflugschneise einreihen. Ihre Scheinwerfer erinnern mich an die grossen Augen von Kühen, die langsam auf das geöffnete Stalltor zukommen.“
Da haben wir gerade noch einmal so ein Juwel. Ein Bild, wie es nur von Franz Hohler stammen kann.
Persönlich würde ich mir wünschen, dass der Erzähler Hohler dem Dichter Hohler in seinen Geschichten noch mehr Auslauf gäbe. Und damit noch mehr „Schönheit in unser Leben“ schmuggeln könnte, so wie er es in einer Geschichte im letzten Erzählband „Der Stein“ den Maler Henri Rousseau sagen lässt – ja den Zöllner-Maler mit den scheinbar naiven, einen unvermittelt anspringenden Urwaldbildern – ,
In dieser Erzählung hat unser Preisträger, scheint mir,  persönliche Gedanken zu seiner Poetik untergebracht:
„Malen heisst Geduld haben“ lesen wir, und ersetzen „Malen“ getrost durch Schreiben; „Das ist eigentlich das Schwerste an der Kunst, die Geduld“ und weiter:
„Das ist das Wunderbare an der Kunst: Im Kopf musst du ihn haben, den Urwald, im Kopf!“
und eben „Ich habe das Lager gewechselt, ich schmuggle Schönheit in unser Leben (…)
Unsere Welt braucht Schmuggler, Zöllner hat sie genug.“
Geduld braucht es, um den richtigen Moment zu packen:
„Vielleicht ist der Autor der, welcher aus der Masse an flüchtigen Eindrücken, denen wir täglich ausgesetzt sind, einen packt und zu ihm sagt: „Ich hab dich erwischt. Du bist eine Geschichte.“
Beim Finden und Erfinden seiner Geschichten bevorzugt Franz  Hohler meist die einfache Idee, den kindlichen Einfall, wohl wissend, dass gerade darin die Schwierigkeit liegt. Denn: „Das Einfache ist nicht das Simple, sondern es ist das Komplexe, das sich nichts anmerken lässt.“ Und zu dieser Komplexität gehört auch die Bedeutung der Träume und der Traumlogik für Hohlers Schreiben, „Woher kommen die Träume?“ rätselt er einmal im Gedicht: „immer / bringen sie dir / eine Nachricht / aus den abgelegenen Provinzen / deines Reichs. / Und wenn du noch nichts begreifst / Sie wissen schon alles.“
Es scheint kein Zufall, dass zu Franz Hohlers bekanntesten und erfolgreichsten Büchern überhaupt drei Kinderromane zählen, deren Protagonist Tschipo derart heftig zu träumen pflegt, dass aus seinen Traumwelten beim Aufwachen immer etwas zurückbleibt: sei es ein Schokoladenvelo oder ein veritabler Pinguin. Es kommt aber auch vor, dass Tschipos Träume ihn weit weg führen, in andere Räume und Zeiten, auf eine Südseeinsel oder in die Steinzeit zum Beispiel.
Hohler nimmt in seinen Texten die Kinder sehr ernst, traut ihnen viel zu und weiss:
„Lesen ist die Erschaffung der Welt aus dem Alphabet.“ Zuschriften von Kindern sind ihm Quelle der Inspiration. Dabei thematisiert Hohler in den Kinder-Geschichten ungeschminkt gesellschaftliche Probleme, so gelingt ihm auch hier die  prägnante Mischung aus sprachlicher Virtuosität, Phantasie und Kritik.
Ein durchaus brachiales und verstörendes Beispiel soll hier nicht fehlen:

Die Riesen im Parkhaus
„Drei Riesen gingen einmal in ein Parkhaus.
„Ich gehe ins Parterre“, sagte der erste.
„Ich in den ersten Stock“, sagte der zweite.
„Ich in den zweiten“, sagte der dritte.
Dann nahm jeder eine schwere Eisenstange, ging in seinen Stock und zertrümmerte alle Autos, die dort abgestellt waren.
Nachher trafen sie sich am Ausgang, gingen zusammen fort und kamen nie wieder.“

Ganz selbstverständlich operiert Hohler mit Figuren aus Mythologie und Märchenwelt, mit belebter Natur, menschlichen Zügen für Objekte oder Tiere, und mit diebischer Freude geht er von Situationen aus, die quer zur gewohnten Wahrnehmung stehen: Ein Granitblock will ins Kino, ein Huhn an die Funkausstellung.
Poetisch und politisch eindrücklich die folgende Miniatur:

Die Taube
Eine Taube flog über das Kriegsgebiet und wurde vom Rotorblatt eines Kampfhelikopters zerfetzt. Eine ihrer schönen weissen Federn schwebte in den Hof eines Hauses, wo sie von einem Kind aufgelesen wurde.
Kurz darauf mussten die Grosseltern und die Mutter mit dem Kind flüchten.
„Wir nehmen nur das Nötigste mit“, sagte die Mutter, raffte ein paar Kleider zusammen und stopfte sie mit ihren Dokumenten und etwas Geld und Schmuck in einen Koffer, der Grossvater füllte zwei Flaschen mit Wasser, die Grossmutter packte das letzte Brot, einige Äpfel und eine Schokolade ein.
Das Kind nahm die Feder mit.

Schönheit schmuggeln – auch im Krieg – dafür steht das Werk von Franz Hohler. Und wenn es einen Schlüssel gibt zur Gesamthaltung, die sein Schaffen prägt, so glaube ich, diesen bereits in einem ganz frühen Text des Autors zu finden, einem Text, der vor mehr als 50 Jahren im ‚Oltner Tagblatt‘ erschienen ist.
„5-Uhr-Zug“ ist er überschrieben: Der 17jährige Kantonsschüler sitzt im Zug zwischen Aarau und Olten, mit einer Französischübersetzung befasst, bis in Schönenwerd ein älterer Arbeiter einsteigt. Fasziniert beobachtet und beschreibt Hohler dessen von der Arbeit und dem Leben gezeichnete Hand, akribisch und luzide, wie wir es bis heute von ihm kennen.
Gewiss: Erzählökonomie, handwerkliche Souplesse und Raffinesse hat der Autor später verfeinert, aber der sprachmächtige Zugriff, der eigene Blick aufs scheinbar Gewöhnliche, all das ist schon da – und schon hier kommt die zutiefst humane Grundhaltung zum Ausdruck, welche  das Werk von Franz Hohler prägt und die neben seiner künstlerischen Meisterschaft in all seinen Büchern berührt und beglückt:
„Was ist es für ein Gefühl, das mich jetzt ergreift, während ich diesen Mann ansehe? Ehrfurcht… bestimmt, tiefe Ehrfurcht, sogar; vor ihm, vor dem Menschen überhaupt. Liebe, Liebe zu diesem Arbeiter, Liebe zum Menschen überhaupt. Mehr noch? Ehrfurcht vor dem Leben, Liebe zum Leben. Das Gesicht dieser Alltagsgestalt, das so reich ist an Schönheiten, diese Hand, die nur ihm allein und keinem andern gehören könnte, dies alles in einem mit Arbeitern besetzten 5-Uhr-Zug, wo man Schönheit weder sucht noch erwartet, ist dies alles nicht Zeugnis einer ungeheuren Vielfalt und Schönheit des Lebens, darin alles, aber auch restlos alles liebenswert ist?“
So ist es unserer Jury grosse  Freude und Ehre zugleich, heute Franz Hohler mit dem Solothurner Literaturpreis 2013 auszuzeichnen:
In seinem staunenswert vielfältigen Werk erweist sich dieser Autor als begnadeter Erzähler für Gross und Klein. Ungebärdige Phantasie und  schelmische Freude an verblüffenden Handlungsverläufen kennzeichnen seine Geschichten ebenso wie die seismografisch genauen Beschreibungen von individuellen Schicksalen, gesellschaftlichen Umwälzungen und der Tapferkeit der Natur. Franz Hohlers Literatur verzaubert seine Leserschaft so beiläufig wie nachhaltig.
Ganz herzlichen Glückwunsch, lieber Franz Hohler. Wir freuen uns auf viele weitere Geschichten von Dir für jung und alt in allen Medien.
Ich gratuliere im Namen der ganzen Jury und danke meinen KollegInnen Christine Tresch und Beat Mazenauer für die produktive Zusammenarbeit; wie stets fusst diese Laudatio auf den Überlegungen von uns dreien.
Gedankt sei auch den Sponsoren im Verein Solothurner Literaturpreis und besonders Frank Schneider für Organisation und administrative Unterstützung. Musikalisch begleitet hat uns die hiesige Domorganistin Susanne Z’Graggen — auch ihr herzlichen Dank.
Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 
 

 

 

 

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